Mögliche Einsatzkonzepte für den Notfunk

Während ich so gemütlich über meiner Bastelei mit den Geräten und Koffern saß, kam mir der Gedanke, das ich ja überhaupt keinen Plan habe, was man denn mit den Geräten überhaupt funktechnisch anfangen könnte. Ich stolperte quasi über die Frage:

"Wer funkt wie, mit wem und warum?"
(also ein Einsatzkonzept)

Meine persönliche Antwort auf diese Frage, im Hinblick auf das bei mir vorhandene Material lautete daher: Ich werde – nach Möglichkeit – immer eine komplette Funkstrecke für mindestens eine „Punkt zu Punkt“-Verbindung realisieren – welche nach Gegebenheiten und Möglichkeiten in eine Stern- oder Kreisverkehrslösung erweitert werden kann (z.B. mit eigenen Geräten, mit Funkstellen anderer Funker, mit Funkstellen und Netzen der BOS).

1) Das Gesamtkonzept

Im Laufe der Jahre aber auch vor allem auch mit Fortschreiten der Bastelei und den Neuanschaffungen habe ich nun ein Konzept entwickelt, welches alle Funkgeräte- und Antennen-Ressourcen möglichst optimal ausnutzt. Das Konzept ist natürlich mit den Jahren gewachsen. Deswegen spiegelt die Grafik den derzeitigen Ausbaustand dar.



Das Konzept kann man in vier logische Bereiche unterteilen:

1.A) Funkzentrale

Die Funkzentrale besteht aus drei Notfunkkoffern und zwei Hilfskoffern. Es können parallel drei Sprach- (HF/CB, VHF und UHF) und zwei Daten-Funkverbindungen betrieben werden. Die Funkzentrale entstand in meinen ursprünglichen Überlegungen, weil nicht genügend Antennen-Träger zur Verfügung standen. Ausserdem arbeiten BOS-Strukturen immer mit einer Leitzentrale, welche z.B. bei einem Krisenstab oder anderen Kats-Führungsstrukturen angesiedelt ist. Mit einer Funkzentrale werden die Kommunikationsmöglichkeiten eine BOS-IuK-Einheit massiv aufgerüstet.

1.B) Punkt-zu-Punkt-Verbindungen

Dabei handelt es sich jeweils um einzelne Koffer, welche an wichtigen Einsatzstellen in Betrieb gehen und dort separat betrieben werden. Im Katastrophenfall muss hier kein lizenzierter Funkamateur sitzen. Über APRS können kurze Notfallnachrichten übertragen werden und per Packet Radio können dauerhafte Datenfunkverbindungen aufgebaut und gehalten werde - oder z.B. Daten in einem elektronischen Briefkasten gelagert werden. Gemäß FDV/PDV/KDV-810 handelt es sich hierbei um einen Linienverkehr.

1.C.1) Offene Funknetze

In einem offenen Funknetz kann und darf jeder mit jedem - und jeder mit der Leitstation (Funkzentrale) direkt kommunizieren. Es handelt sich um einen klassischen Kreisverkehr gemäß FDV/PDV/KDV-810. Jeder darf mit jedem sprechen und eine Station hat die Leitung inne. Zur Anwendung könnte so etwas kommen bei der Organisation eines Versorgungsnetzes mittels LKW und Transportern, welche alle mit einem CB-Funkgerät ausgestattet sind/werden.

1.C.2) Geschlossene Funknetze

Ein geschlossenes Funknetz wäre z.B. ein klassisches "In-House"-Funknetz. Dieses kommt unter Anderem zur Anwendung, wenn eine Notunterkunft organisiert werden muss. Ganz viele Helfer laufen herum und müssen irgendwie erreichbar sein. Ein Helfer (Kopfstation) hält mit einem zweiten Funkgerät dabei die Verbindung zur Einsatzleitung bzw. Funkzentrale. Die einzelnen Helfer funken aber nicht selbst mit der Funkzentrale, da diese auf einem anderen Kanal funkt, und die Helfer z.B. mit PMR446-Funkgeräten arbeiten, welche aus einem geschlossenen Haus heraus nur noch wenige Meter Reichweite besitzen.
In meinem konkreten Konzept wird übrigens noch eine Relaisstation für Sprache (Umsetzer) "dazwischen geschaltet". Diese setzt ein VHF-Signal auf ein UHF-Signal um und ermöglicht der Funkzentrale mit der Kopfstation des geschlossenen Netzes zu sprechen, auch wenn beide Stationen viele Kilometer entfernt von einander arbeiten (Reichweitenerhöhung).

1.D) Datenübertragung

Selbstverständlich ist beim Notfunkbetrieb SPRACHE das erste Mittel der Wahl um Nachrichten schnell und halbewegs sicher übermitteln zu können. Will man jedoch Nachrichten fehlersicher übermitteln (z.B. als Ersatz für das - bei deutschen Behörden immer noch extrem beliebte Telefax-Gerät), kommt man an einer digitaler Datenübertragung nicht vorbei. Hierbei stehen verschiedene Betriebsarten zur Verfügung:

2) Einbindung von Nicht-Funkamateuren

Leider (oder vielmehr: Zum Glück) darf man ausserhalb der Katastrophe nicht alles was man kann. Aus diesem Grund dürfen "Nicht-Funkamateure" ausserhalb eines Katastropheneinsatz auch von Amateurfunkgeräten aus nicht senden (der Empfang ist immer legal) - es sei denn, es wird ein spezielles Ausbildungsrufzeichen genutzt (z.B. DN1NF. Hierauf gehe ich aber in den Abschnitten Rechtliches ohne Einsatz / Rechtliches im Einsatz dieser Projekt-Dokumentation noch einmal detailliert ein.

Trotz des vorab angeführten Handicaps werden "Nicht-Funkamateure" in Krisen- und Katastrophenzeiten auch an Amateurfunkgeräten und auf Amateurfunkfrequenzen arbeiten und zum Einsatz kommen. Als "Qualifikation" für einen "Funker" welcher keine Amateurfunk-Genehmigung besitzt, erwarte ich im Katastropheneinsatz tatsächlich nur folgende Fähigkeiten:

Mehr braucht es nun wahrlich nicht! Lapidar formuliert: Der „Funker“ bekommt ein Gerät hingestellt, die Antennen aufgebaut und eine kurze Einweisung, wo man hinein zu sprechen hat. Dann wird er sich selber überlassen!