Projekt-Phase 4b: NVIS-Antenne

Zuerst muss ein wenig Theorie sein. Ein großer Teil der aktiven Funkamateure kennt nur ein Ziel: DX (Funk-Weitverkehr). Das bedeutet, seine Funkwellen sollen so weit wie irgend möglich auf einen möglichen Funkpartner treffen. Dabei ist das heimliche Ziel aller Kurzwellen-Funker: Einmal rund um die Welt senden und mit einer Verzögerung von mehreren Sekunden sein eigenes Signal zu hören. Ermöglicht wird dies durch die Reflektion der Kurzwellen (3-30 MHz) an der Ionosphäre. Wie in der ersten Grafik zu sehen, gibt es dabei eine tote Zone, einen Bereich, in welcher die Funkwellen nicht empfangen werden können.

Auf den Frequenzbereichen zwischen 15 und 30 MHz umfasst die tote Zone üblicherweise die Bundesrepublik Deutschland - und Kurzwellenfunk auf den Frequenzen unterhalb 15 MHz ist tagsüber aufgrund ionosphärischen Bedingungen nicht brauchbar (Stichwort: Tagesdämpfung). Jetzt will der Notfunker auf Kurzwelle aber eine stabile Verbindung von München nach Berlin einrichten - und zwar 24 Stunden am Tag, ohne Unterbrechung. Da kommt eine Antennenform namens "NVIS = Near Vertical Incident Scatter" zum Einsatz. Auf gut Deutsch bedeutet das: Eine Antenne welche ihre Strahlen nicht flach über den Horizont sendet - sondern steil nach oben in die Ionosphäre schickt, von wo diese steil nach unten reflektiert werden.

Man kann es leicht erraten und anhand der zweiten Grafik erkennen: Wenn die Funkwellen steil nach unten kommen, löst sich die Tote Zone mehr oder weniger in Wohlgefallen auf und schrumpft auf wenige Kilometer (welche sowieso besser im UKW-Bereich funktechnisch abgedeckt werden) zusammen.

Eine solche NVIS-Antenne wollte ich mir bauen, da ich in verschiedenen Notfunk-Beiträgen auf dieses Thema stiess. Es gibt kommerzielle Antennen, welche zum Beispiel das Schweizerische Militär nutzt, um Funkverkehr zwischen Alpentälern auf Kurzwelle durchzuführen. Aber solche Antennen kann man nicht bezahlen - und ein wenig basteln tat mir auch einmal wieder gut.
Eine Bauanleitung war schnell gefunden und ein automatischer Antennentuner, welcher für diese Antenne dringen empfohlen wird, stand mir auch bereits zur Verfügung.

Wie mein NVIS-Antennen-Set nun genau aussieht, beschreibe ich HIER - aber das Basteln selbst machte mir besonderes Vergnügen. Das komplette Material für diese Antenne kann man im Baumarkt kaufen. Selbst der 4 1/2 Meter hohe Steckmast für den Antennenkopf wurde von mir selbst gebaut - aus Holzstangen und PVC-Abflussrohren als Verbindungsstücken. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

Nur einen großen Nachteil hat die Antenne. Wie sich aus den Maßen der dritten Grafik leicht errechnen lässt, hat die Antenne in der beschriebenen Konfiguration eine Ausdehnung von 26 Metern. Werden zusätzliche, 21 Meter lange Radiale verwendet (ergibt bessere Ergebnisse im 80-Meter-Band) dann liegt die Ausdehnung bzw. Spannweite bei fast 50 Metern. Dies ist ein enormer Platzbedarf. Ausserdem darf man nicht vergessen, das die Funkstelle ja auch nicht unbedingt direkt neben der Antenne stehen sollte (um Einstrahlung ins Funkgerät zu unterdrücken und um den Funker in Sachen Elektro-Magnetischer-Verträglichkeit auch nicht einer zu hohen Belastung auszusetzen)

Ich habe mir trotzdem eine gebaut.